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Metabolisches Syndrom

Mag. pharm. Regina Schwarzl

In Deutschland sind rund 20 % der Erwachsenen davon betroffen, auch vor Kindern und Jugendlichen macht es nicht Halt – die Rede ist vom metabolischen Syndrom (MetS). Es gilt als Risikofaktor für schwere kardiovaskulare Ereignisse sowie als Vorstufe für Typ-2-Diabetes. Die gute Nachricht: Mit einem bewussten Lebensstil lässt sich das metabolische Syndrom in Angriff nehmen.

Abdominale Adipositas, Dyslipidamie, Hypertonie und ein gestörter Zuckerstoffwechsel – treten mindestens drei dieser Faktoren gemeinsam auf, spricht man vom metabolischen Syndrom (MetS). Das Heimtückische daran: Je mehr dieser Faktoren vorliegen, umso höher ist das Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Ereignisse. Daher weisen MetS-Betroffene auch eine zwei- bis dreifach höhere Rate an Schlaganfällen, Herzinfarkten oder koronaren Herzkrankheiten zu erkranken auf.

Erhöhte Nahrungszufuhr

Wirft man einen genauen Blick auf diese vier Faktoren, ist eines klar erkennbar: Alle Parameter stehen mit einer zu hohen und unausgewogenen Nahrungszufuhr und Übergewicht in Verbindung. Wenig körperliche Aktivität, Fast Food und Softdrinks – noch nie zuvor war es der Fall, dass auf der Welt mehr Übergewichtige als Untergewichtige gelebt haben. Seit 1975 ist die Weltbevölkerung zwar gesunder, aber auch deutlich dicker geworden. Allein in Deutschland sind 67 % der Männer und 53 % der Frauen übergewichtig. Und 24 % der deutschen Erwachsenen und 6 % der Kinder sind sogar adipös.

© Priscilla Du Preez

Leitsymptome: abdominale Adipositas und Insulinresistenz

Interessanterweise handelt es sich bei MetS-Betroffenen meist um Personen mit stammbetonter Fettverteilung. Gerade die Bauchfettsucht scheint mit einer Insulinresistenz in Zusammenhang zu stehen. Das liegt daran, dass der Speckreifen um unsere Mitte kein ruhender Fettspeicher, sondern stoffwechselaktives Gewebe ist. Dieses setzt Substanzen frei, welche die Insulinresistenz begünstigen und somit den Zuckerstoffwechsel beeinflussen können:

Leptin und Resistin

Hohe Leptinspiegel werden mit einer Insulinresistenz in Verbindung gebracht. Auch Resistin, welches in Fettgewebe und vorwiegend in inflammatorischen Zellen produziert wird, scheint mit der Insulinresistenz in Zusammenhang zu stehen.

Freie Fettsäuren

Neben endokrinen Substanzen werden aus dem abdominalen Fettgewebe auch freie Fettsäuren abgegeben. Diese wirken ebenso an der Entstehung einer Insulinresistenz mit. Sie hemmen die Insulinaufnahme in die Leber und reduzieren die Glukoseverwertung in der Muskulatur.

Maßnahmen

Im Mittelpunkt der Prävention und Behandlung des metabolischen Syndroms steht eine Normalisierung des Körpergewichts und des Zuckerstoffwechsels. Dies sollte in erster Linie durch gesteigerte körperliche Aktivität sowie eine ausgewogene Ernährung erreicht werden. Frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte sowie Hülsenfruchte stehen vermehrt am Speiseplan. Auf dem Weg zu Wohlbefinden und einem bewussten Lebensstil können Vitamine und Mineralstoffe optimal unterstützen:

Grüner Kaffee Extrakt

Eine randomisierte, doppelblinde Studie erforschte die Anwendung von Grüner Kaffee Extrakt auf das Körpergewicht bei Personen mit einem BMI > 25. Dafür erhielten die Teilnehmer 2-mal täglich 200 mg eines entkoffeinierten Grüner-Kaffee-Extrakts, standardisiert auf 45 % Chlorogensäure. Nach 60 Tagen konnte der BMI der Probanden in der Verumgruppe signifikant gesenkt und das Muskel-Fett-Verhältnis verbessert werden. Die Autoren diskutieren eine verzögerte Glukose-Aufnahme aus dem Darm und eine reduzierte Freisetzung von Glukose aus der Leber. Beides beeinflusst den Blutglukosespiegel sowie die Einlagerung von Adipozyten ins Fettgewebe wesentlich.

Chrom

Der Zuckerstoffwechsel und Chrom sind eng miteinander verknüpft. Chrom ist dafür zuständig, dass sich das aus der Bauchspeicheldrüse freigesetzte Insulin an die Insulinrezeptoren bindet und diese auch aktiviert. Das bedeutet: Insulin benötigt Chrom für seine volle Wirkungsentfaltung. Interessanterweise scheiden gerade Patienten mit erwiesener Insulinresistenz signifikant höhere Mengen an Chrom aus. So gelten vom metabolischen Syndrom Betroffene sowie Typ-2-Diabetiker als Risikogruppen für einen Chrommangel. Eine bedeutende Metaanalyse zeigt: In 13 von 15 klinischen Studien mit insgesamt 1.690 Personen wurde durch eine gezielte Chromsupplementierung eine signifikante Verbesserung von mindestens einem der folgenden Parameter der glykämischen Kontrolle beobachtet: Nüchternblutzucker, Post-Prandial-Blutzucker, Nüchterninsulin, Post-Prandial-Insulin, HbA₁c-Wert, Insulinsensitivität oder Dyslipidämie.

Magnesium

Hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei Chrom: Ein Magnesiummangel scheint die Insulinresistenz zu erhöhen. Denn die Insulinwirkung am Insulinrezeptor sowie die zelluläre Glukoseaufnahme sind beide magnesiumabhängig. Wie eine Studie zeigt, könnte Magnesium eine Art Schutzeffekt bei MetS und Typ-2-Diabetes bieten. Es wurden zwei Gruppen mit unterschiedlicher Magnesiumzufuhr (206 mg versus 385 mg pro Tag) verglichen. In der Gruppe mit der höheren Magnesiumzufuhr sank das Risiko, an Diabetes zu erkranken, um 71 %. Interessant: auch bei Gesunden beeinflusst Magnesium den Nüchternblutzucker positiv.

Vitamin B₁₂

Das orale Antidiabetikum Metformin wird bei einem gestörten Zuckerstoffwechsel häufig verordnet. Wie eine aktuelle randomisierte und placebokontrollierte Studie zeigt, beeinflusst Metformin den Vitamin-B₁₂-Spiegel: Es fungiert als Vitamin-B₁₂-Räuber. Bei langfristiger Anwendung des Arzneimittels können die B₁₂-Blutspiegel sinken. Eine weitere Studie bestätigt dies. Je höher und länger das Antidiabetikum gegeben wurde, umso stärker sank der Vitamin-B₁₂-Spiegel.

Fazit

In erster Linie wird bei der Prävention und Behandlung des metabolischen Syndroms auf eine Veränderung des Lebensstils gesetzt. Zwar wirken unsere Gene bis zu einem gewissen Teil bei der Entstehung des metabolischen Syndroms mit – ihr Einfluss ist aber geringer als der unseres Lebensstils. Wir haben es also selbst in der Hand. Mit ausreichend Bewegung und Schlaf, einer ausgewogenen Ernährung und den richtigen Makro- und Mikronährstoffen lässt sich das metabolische Syndrom „wegschrumpfen“.

* Erstveröffentlicht im "PRO Nr. 1/2019 - Magazin für medizinische Fachkreise". www.promedico.at

© Header- und Vorschaubild: Gesina Kunkel