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Der Hautalterung begegnen*

Mag. pharm. Dr. Irmgard Pötschger

Die Haut jedes Menschen altert anders. Zum einen ist das Wie in den Genen gespeichert, zum überwiegenden Teil bestimmt jedoch der Lebensstil, wie rasch, wie tief und in welchem Ausmaß sich aus ersten Fältchen und Linien tiefe Falten entwickeln. Die Hauptrolle spielt das UV-Licht der Sonne.

Freie Radikale, also reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies, entstehen im Organismus natürlicherweise als Ergebnis metabolischer Prozesse. In physiologischen Konzentrationen sind sie wesentlich für endogene Informations- und Reparaturprozesse. Übersteigt ihre Konzentration jedoch eine kritische Schwelle, so resultiert oxidativer Stress. Anhaltend kann dieser Schädigungen der DNS oder eine Immunsuppression verursachen. Neben anderen Umweltfaktoren wie Rauchen, Passivrauchen, Belastung durch Ozon und fehlerhafte Ernährung ist die UV-Strahlung der Sonne Hauptauslöser für die vermehrte Bildung freier Sauerstoffradikale und damit auch für das Altern der Haut.

Photoaging

Hinter dem modernen Begriff „Photoaging“ steckt nichts anderes als die Alterung der Haut durch Sonnenlicht. Dieses induziert sowohl klinische als auch histologische Hautveränderungen. Klinische Merkmale sind Falten, Trockenheit und unregelmäßige Pigmentierung der Haut sowie braune Flecken (Lentigines) und der Verlust an Elastizität. Der komplexe biologische Prozess der Lichtalterung betrifft alle Hautschichten. Die umfangreichsten Unterschiede zwischen UV-bedingtem und chronologischem Altern können jedoch in der Dermis (Lederhaut) lokalisiert werden. Die Kollagensynthese nimmt wesentlich stärker ab als in normal gealterter Haut und die Fibroblasten der Lederhaut zeigen bei photogealterter Haut neben einer veränderten Morphologie eine erhöhte biochemische Aktivität.

Bis zu 80 % der Veränderungen der Haut im Alter sind auf UV-Strahlen zurückzuführen. Die Haut vergisst nichts!

Ausgiebiges Sonnenbaden – Herausforderung für alle Hautschichten

Die Bildung freier Radikale kann bereits durch kurze UV-Einwirkung induziert werden. Mechanismus ist die Hydrolyse von Wassermolekülen. Resultat sind direkte Strahlungsschäden in Strukturen mit passendem Absorptionsspektrum, insbesondere der DNS. Lipide (Lipidperoxidation), Proteine (Veränderung ihrer räumlichen Struktur) und Nukleinsäuren (DNS-Strangbrüche) können durch verschiedene Wellenlängen der Sonnenstrahlung in verschiedenen Hautschichten unterschiedlich stark beeinträchtigt werden.

UVA-Strahlung ist langwellig und kann tief in das Bindegewebe der Haut eindringen. Sie stößt nicht nur in den Zellen der Epidermis, sondern auch in den Fibroblasten der Dermis die Bildung von freien Radikalen an. Durch eine Photoreduktion kann sie das Spurenelement Eisen aus seinem Speicherprotein Ferritin freisetzen. Nicht an Ferritin oder Transferrin (Transportprotein) gebundenes Eisen kann durch die Bildung freier Radikale in Fenton-Reaktionen Zellen und Gewebe schädigen. Durch UVA gebildete freie Radikale bewirken auch die Bildung von Enzymen, welche die kollagenen Fasern schädigen und damit auch die Straffheit der Haut reduzieren können. Parallel können elastische Fasern aufquellen. Dies geht mit einem Verlust der Dehnbarkeit der Haut einher.

UVB-Strahlung ist kurzwelliger und wird bereits in der Epidermis absorbiert. Sie kann zu Veränderungen der DNS und von Proteinen in den Keratinozyten und den Langerhans-Zellen (Immunfunktion) der Epidermis führen. UVB-Strahlen können zu Modifikationen der Kernbasen und zu Einfach- oder Doppelbrüchen der DNS führen. Ihr mutagenes Potential ist höher einzustufen als jenes der UVA-Strahlung.

Antioxidantien – kleine Moleküle mit großem Anti-Aging-Potenzial

Die Haut bedient sich eines antioxidativen Netzwerkes, um sich vor oxidativen Schäden, z. B. durch UV-Licht, zu schützen. Dieses Schutzsystem besteht vor allem aus antioxidativen Vitaminen (Vitamine C und E), den zink- oder selenabhängigen Enzymsystemen sowie sekundären Pflanzenstoffen (z. B. Carotinoide, Polyphenole). Antioxidantien sind Teamplayer und arbeiten am besten im dynamischen Zusammenspiel. Sie brauchen einander vor allem zur gegenseitigen Regeneration. So „recycelt“ Vitamin C die reduzierte Form von Vitamin E. Ascorbinsäure wiederum kann durch Selen und Alpha-Liponsäure regeneriert werden. Es gilt: Die Antioxidantien-Gesamtwirkung übertrifft die Summe der Einzelwirkungen.

Im Fokus der Phyto-Forschung stehen derzeit, neben anderen pflanzlichen Polyphenolen, auch jene des grünen Tees. Vor allem am Catechin Epigallocatechingallat (EGCG) besteht immenses wissenschaftliches Interesse. In verschiedenen Tiermodellen konnte gezeigt werden, dass die perorale und topische Applikation von EGCG eine UV-induzierte Haut-Tumorgenese vermindern kann. Weiters konnte die Gabe von Epigallocatechingallat zur Zellkultur von humanen dermalen Fibroblasten die Lipidperoxidation herabsetzen. Wissenschaftlich diskutiert wird auch eine Verminderung des Abbaus von Kollagen durch EGCG, wie im Mausmodell bereits beobachtet.

Ein über Jahre stabil hoher Level an Vitaminen, Vitaminoiden und sekundären Pflanzenstoffen ist eine optimale Maßnahme zur Erhaltung schöner Haut.

Auch Coenzym Q10 (CoQ10) erweist sich als bedeutend für den Stoffwechsel der Haut. CoQ10 ist ein lipophiles Antioxidans und kann – wie Vitamin C – verbrauchtes Vitamin E recyceln. Hierfür gibt es Elektronen ab und stellt so das antioxidative Potenzial von Vitamin E wieder her. Im Alter sinkt die körpereigene CoQ10-Synthese. Forschungsarbeiten mit kultivierten humanen Zelllinien und Coenzym Q10 resultierten in einem zellschützenden Effekt bei UV-Bestrahlung.

Die Falten einfach wegessen

Eine gesunde Lebensweise und im speziellen auch der Verzehr von buntem, antioxidantienreichem Obst und Gemüse sind definitiv effektive Werkzeuge gegen schädliche Umwelteinflüsse sowie die Auswirkungen von UV-Licht und vorzeitige Hautalterung. Die Uhr zurückdrehen und bereits vorhandene Zeichen extrinsischer Alterung wieder rückgängig machen klappt jedoch nicht. Aber ein über Jahre stabil hoher Level an Vitaminen, Vitaminoiden und sekundären Pflanzenstoffen ist eine optimale Maßnahme zur Erhaltung schöner Haut.

* Erstveröffentlicht im "PRO Q2/2016 - Magazin für medizinische Fachkreise". www.promedico.at

Quellen:

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Stolzing A, Grune T, Oxidativer Stress lässt die Haut alt aussehen. Pharmazeutische Zeitung 2004
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