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Arzneimittel und Sonnenlicht

Dr. Birgit Schiel

Zahlreiche Arzneimittel, die täglich in der Apotheke verkauft werden, können die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Licht steigern. ApothekerInnen können durch das Wissen um die auslösenden Medikamente ihre Kompetenz unter Beweis stellen und ihren Kunden mit Tipps für den richtigen Umgang mit dem Sonnenlicht beratend zur Seite stehen.

Systemisch oder auch topisch angewandte Arzneimittel können, unter UV-Einwirkung auf der Haut, zu einer sogenannten Photosensibilisierung führen. Dieser Begriff fasst zwei Formen des hautgefährlichen Bündnisses zwischen Arznei und Sonnenlicht zusammen – die echte phototoxische Reaktion (kann bereits bei der ersten Einnahme auftreten) und die photoallergische Reaktion (Beteiligung des Immunsystems, meist erst nach wiederholter Anwendung). Die Übergänge sind mitunter fließend.

Die resultierenden Hautreaktionen ähneln häufig einem Sonnenbrand mit Hautrötung, Juckreiz und Blasenbildung. Pigmentierungsstörungen nach der Abheilung sind möglich. Der Bräunungsgrad, die Hautdicke und die Behaarung können das klinische Erscheinungsbild prägen. Auch können potenziell photosensibilisierende Medikamente, die im Winter gut vertragen werden, im Frühling bzw. Sommer zu unangenehmen Hautreaktionen führen. Eine Dosiserhöhung der verordneten Arznei kann ebenso in einer gesteigerten Lichtempfindlichkeit resultieren.

Phototoxische und photoallergische Reaktionen können auch bei Sonnenexposition hinter Glasscheiben, zum Beispiel beim Autofahren und durch Besonnung in dünner Kleidung auftreten, da diese wohl UV-B, nicht aber UV-A-Strahlen abhalten können.

Perorale Anwendung

Diuretika: Hydrochlorothiazid, Furosemid (z.B. Lasix®)
Antihypertonika: Enalapril, Ramipril
Antibiotika: Tetracyclin (z. B. Doxycyclin®), Minocyclin (z.B. Minostad®), Ciprofloxacin
Dermatika: Isoretinoin (z.B. Ciscutan®), 5-, 8-Methoxypsoralen (PUVA-Therapie)
Antidepressiva: Amitryptillin (Saroten®), Johanniskraut

Topische Anwendung

Benzoylperoxid (z.B. Benzaknen®, Acne plus®)
Retinoide (z.B. Isotrex®)
Erythromycin (z.B. Eryaknen 4% Gel)

Apothekentipps

  • Sonnenschutzmittel mit hohem UVA-Filter wählen
  • Zusätzlich auf textilen Lichtschutz setzen
  • Solarien-Besuche unterlassen
  • Meiden der Sonne zwischen 11 und 15 Uhr
  • Arzneimittel mit kurzer Halbwertszeit abends einnehmen
  • Vor Urlaubsantritt Rücksprache mit dem Arzt empfehlen