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Natürliche Hilfe bei gereizter Haut

Dr. Birgit Schiel

Professionelle Beratung zu medizinischen Kosmetika ist ein bedeutender Bestandteil des Apothekenalltags. Dies liegt zum einen am zunehmenden Schönheitsbewusstsein, zum anderen auch in der steigenden Prävalenz bestimmter Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis, trockener Haut und allergisch bedingten Ekzemen. Ausgewählte Apothekenkosmetik punktet mit Qualität, bestimmte Mikronährstoffe können zudem eine effektive Ergänzung der äußerlichen Pflege von innen sein.

Neurodermitis und Psoriasis können prinzipiell nicht vollständig geheilt werden, sind aber sehr gut – auch ohne Cortison – behandelbar. Dafür ist die Motivation zur regelmäßigen äußerlichen und innerlichen Hautpflege ausschlaggebend. Durch eine effektive Hautpflege treten seltener Störungen der Haut-Barrierefunktion und damit verbundene Hautinfektionen auf. Neben dem Barriereaufbau ist die Hydratation (Feuchtigkeitszufuhr), Hautglättung, Lipidzufuhr und die Reduktion des trans-epidermalen Wasserverlustes ein erklärtes Ziel bei gereizter, zu Juckreiz neigender Haut.

Mikronährstoffe gezielt einsetzen

Ernährungsmedizinisch hat sich bei Psoriasis und trockenem Hautbild der reduzierte Genuss von arachidonsäurehaltigen Nahrungsmitteln (z.B. tierische Fette) und der gesteigerte Verzehr von Omega-3-haltigen Lebensmitteln (z.B. Seefisch) bewährt. Eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) zeigt deswegen Vorteile, da durch die kompetitive Verdrängung der Arachidonsäure (Omega-6) von den eicosanoidbildenden Enzymen die Syntheserate von Entzündungsmediatoren (Serie 2 Prostaglandine, Leukotriene) reduziert werden kann.

Zudem weisen Personen mit Neurodermitis häufig erhöhte Linolsäure- und vergleichsweise niedrige Gamma-Linolensäurewerte auf. Es wird hier ein Mangel bzw. eine Fehlfunktion des Enzyms Delta-6-Desaturase und damit eine Fettstoffwechsel-Störung diskutiert. Durch den Enzymmangel ist die Umwandlung von Linolsäure in Gamma-Linolensäure (GLA) unzureichend.

Gamma-Linolensäure (Nachtkerzen- oder Borretschöl) zeigt sich als Vorstufe von entzündungshemmenden Gewebshormonen (Prostaglandin E1) für eine reduzierte Histaminfreisetzung verantwortlich und ist auch an der Immunregulation beteiligt. Zudem ist GLA für den Aufbau von Strukturlipiden (Baustoffen) von Bedeutung. Diese erhalten als natürliche Barrieren ein ausgeglichenes Feuchtigkeitsmilieu aufrecht.

Vitamin E

Antioxidantien – im speziellen das fettlösliche Vitamin E – eliminieren die durch die vermehrte Phagozytoseaktivität anfallenden Sauerstoffradikale und können so die oxidative Schädigung von Zellmembranen neutralisieren. Vitamin E kann dazu beitragen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

Selen

Für Personen mit Hautproblemen empfiehlt sich eine labordiagnostische Bestimmung des Selen-Spiegels, da dieser in jenen Fällen erniedrigt sein kann. Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, indem es die Abwehrzellen (Th1/Th2-Shift) in ihrer Funktion unterstützt. Außerdem leistet Selen einen Beitrag zum Schutz der Zellen (z.B. Haut) vor oxidativem Stress.

Pantothensäure

Dexpanthenol, das Provitamin der Pantothensäure (Vitamin B5), ist durch seine topische Anwendung bereits bestens bekannt. Lokal aufgetragen kann Dexpanthenol das Feuchthaltevermögen der Haut verbessern sowie die Epithelisierung und damit die Neubildung der Hautzellen stimulieren. Zudem wird die Barrierefunktion und Elastizität der Haut verbessert. Pantothensäure trägt auch zu einer normalen Synthese von Vitamin D bei.

Biotin

Biotin ist Bestandteil vieler Enzyme, die u.a. für die Bildung langkettiger Fettsäuren wichtig sind und ermöglicht dadurch ein normales Zellwachstum. Haarfollikel und das Hautgewebe profitieren am meisten durch die Zufuhr von Biotin. Ein Defizit an Biotin verändert z.B. die Zusammensetzung der Hautfette, was deren Struktur und die Funktion beeinträchtigen kann. Biotin ist somit speziell bei trockener Haut mit reduzierter Hautfettproduktion ein echter Geheimtipp. Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare, Haut und Schleimhäute bei.

Vitamin D3

Vitamin D hat eine Funktion bei der Zellteilung. So besitzen die Keratinozyten (=hornbildende Zellen in der Epidermis) Rezeptoren für Calcitriol (Vitamin-D-Wirkform). Eine ausreichende Versorgung mit Calcitriol kann die unnatürlich schnelle Erneuerung der Hautzellen in Schach halten.
Die endogene Synthese von Vitamin D3 in der Haut kann auch bei einem UV-Index >3 eingeschränkt sein. Eine Ist-Bestimmung des Calcidiol[25(OH)D]-Spiegels im Serum (Soll = 40–60 ng/ml) gibt rasch Auskunft über den Versorgungszustand.

Zink

Zink ist ein essentielles Spurenelement, das im Körper in zahlreichen Enzymen und nicht-enzymatischen Proteinen enthalten ist. Zink spielt eine Rolle bei der Zellteilung, trägt dazu bei die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen und ist für eine normale Funktion des Immunsystems wichtig. Darüber hinaus ist es für den Vitamin-A-Stoffwechsel wichtig und trägt zur Erhaltung einer gesunden Hautbarriere bei. Auch äußerlich angewandt kennt man das Spurenelement bereits gut in Zusammenhang mit seiner Fähigkeit die Wundheilung zu unterstützen.

Mikronährstoffdiagnostik

Im Unterschied zum klassischen Blutbild spiegelt die Mikronährstoffdiagnostik individuelle Blutspiegel von Vitaminen, Spurenelementen, Mineralstoffen, Aminosäuren und Fettsäuren wider. Die Kenntnis der individuellen Versorgungssituation bildet die Grundlage für eine gezielte Supplementierung.

Apothekenkunden, die an Neurodermitis bzw. Psoriasis leiden, sollte insbesondere die Bestimmung der Parameter Selen, Vitamin B12 und Vitamin D3 angeraten werden.

Cave

Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Etwa 50% der Neurodermitiker sind auch von einer Nahrungsmittelintoleranz betroffen. Die einseitige Ernährung und das veränderte Resorptionsverhalten machen häufig eine hypoallergene Basisversorgung empfehlenswert. Dadurch wird eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen, die auch den Hautstoffwechsel positiv beeinflussen, sichergestellt.

MN-Empfehlung für die Haut, Erwachsene
Vitamin E: 200–400 I.E.
Vitamin D3: 1000–2000 I.E.
Zink: 15 mg
Selen: 55 mcg
Biotin: 2,5 mg
Nachtkerzenöl: 1000–1500 mg