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Mikronährstoffe und die Sonne

Dr. Birgit Schiel

Die Sonne genießen und sich richtig vor ihr schützen – in der schönsten Zeit des Jahres drehen sich viele Kundenanfragen gerade um dieses Thema. Apotheken haben diesbezüglich viel zu bieten: Zusätzlich zu hochwertigen Sonnenschutzprodukten existiert auch eine Reihe nutrikosmetischer Möglichkeiten, um die unerwünschten Auswirkungen des Sonnenlichts auf die Haut zu reduzieren.

Sonne lässt uns alt aussehen

Zeichen der Hautalterung wie Faltenbildung, Pigmentstörungen und vergröberte Hautstruktur zeigen sich in stark lichtexponierten Hautarealen, wie zum Beispiel im Gesicht, wesentlich früher als das im Zuge der normalen Hautalterung der Fall ist. Ursächlich ist hier die durch das UV-Licht bedingte Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) und freier Radikale, welche mit Zellbestandteilen reagieren und zu deren Schädigung führen können. Sonnenbestrahlung induziert überdies den Abbau von Kollagen und blockiert die Kollagenneusynthese. Die Folgen sind Elastizitätsverlust und mangelndes Wasserbindevermögen – die Haut erscheint schlaff, fahl und rau.

Antioxidative Vitamine

UV-vermittelter oxidativer Stress spielt bei allen lichtbedingten Hautproblemen eine Rolle und wird jüngst auch bei der PLD (Polymorphe Lichtdermatose) vermehrt als Ursache diskutiert. Die Vitamine C und E bieten der sonnenexponierten Haut einen potenten Schutz vor UV-induzierten freien Radikalen, da sie dazu beitragen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Zudem leistet Vitamin C auch einen Beitrag zu einer normalen Kollagensynthese. Wiederholte starke Sonnenbestrahlung lässt die Plasmaspiegel von Vitamin C und E in der Haut allerdings absinken, was die zelleigenen Schutzmechanismen beeinträchtigen kann.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Beta Carotin kann durch eine leichte Absenkung der Erythem-Schwelle und Verbesserung der Sonnentoleranz für sonnenempfindliche Menschen nützlich sein.* Geschätzt wird selbstverständlich auch der dezente, natürliche Tönungseffekt der Carotinoide auf die Haut. Die Sonnenbräune erscheint ebenmäßig und lässt sich auch über die Urlaubsdauer hinaus verlängern. Empfehlenswert ist es, bereits 3-4 Wochen vor dem geplanten Sonnenurlaub mit einer bewusst carotinoidreichen Ernährung zu beginnen.

Zur Gruppe der Carotinoide zählen auch die orange-gelb gefärbten Verbindungen Lutein und Zeaxanthin. Hohe Konzentrationen dieser Pflanzenstoffe finden sich in der Netzhaut des menschlichen Auges, vor allem im Gelben Fleck (Macula lutea), welchem sie auch die Farbe verleihen. Durch ihre Fähigkeit blaues Licht zu filtern, zeigen Lutein und Zeaxanthin in vitro sehr gute antioxidative Potenz. Klinische Studien, wie die AREDS1 und AREDS 2, beschäftigen sich mit dem Einsatz einer Kombination der beiden sekundären Pflanzenstoffe mit anderen Mikronährstoffen bei grauem Star und Altersbedingter Makuladegeneration. Lutein und Zeaxanthin können vom menschlichen Organismus nicht hergestellt werden und müssen daher mit der Nahrung zugeführt werden. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in grünem Blattgemüse, wie Kohl und Spinat. Weitere Quellen sind u.a. Broccoli, Karotten, Zucchini und Tomaten. Als einzige tierische Quelle ist Eidotter zu nennen.

Quercetin, ein sekundärer Pflanzeninhaltsstoff aus der Gruppe der Flavonoide, erweist sich in vitro als hochpotentes Antioxidans. Quercetin könnte auch zu einer verringerten Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen beitragen. Die unangenehmen Histamin-Wirkungen wie Juckreiz, Rötung und Quaddelbildung könnten auf diese Weise reduziert werden. Das Flavonoid scheint auch die Fähigkeit zu besitzen, UV-induzierte Entzündungsreaktionen der Haut, über eine Inhibierung der NF-κB- und Zytokin-Aktivierung, reduzieren zu können.**

Hyaluronsäure

Die Haut kämpft im Sommer auch mit zusätzlichen Stressfaktoren wie Wind, Klimaanlagen und Hitze. Daher häufen sich gerade zu dieser Jahreszeit in der Apotheke die Anfragen zu kosmetischen Problemen wie Trockenheit und mangelnder Spannkraft. Hier kann die Anwendung gut bioverfügbarer, niedermolekularer Hyaluronsäure empfohlen werden. Ursprünglich für die Behandlung von Narben und Wunden eingesetzt, findet sich das Glykosaminoglykan mittlerweile auch in zahlreichen Kosmetikprodukten. Durch seine feuchtigkeitsbindende Eigenschaft soll sie für eine pralle Haut sorgen und als Injektion in tiefere Hautschichten Falten erfolgreich unterpolstern.

Fazit

Gute nutrikosmetische Beratung bringt die Haut wohlbehalten durch den Sommer – und zufriedene Kunden zurück in die Apotheken.

Quellen:
Stahl W., Sies H.; ß-Carotene and other carotenoids in protection from sunlight; Am J Clin Nutr. 2012; 96(5):1179-1184.

Vincentini FT., et al.; Quercetin inhibits UV irradiati-on-induced inflammatory cytokine production in primary human keratinocytes by suppressing NF-kB pathway; J Dermatol Sci 2011; 61(3):162-8