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Mikronährstoff-
Defizite bei entzündlichen Darmerkrankungen

Dr. Birgit Schiel

Menschen, die von entzündlichen Darmerkrankungen betroffen sind, zeigen vielfach einen Mangel an bestimmten Mikronährstoffen und sollten jährlich, zumindest auf ihren Folsäure-, Vitamin-B12-, Eisen- und Vitamin-D-Status, geprüft werden, so das Fazit des im Oktober 2012 erschienenen klinischen Reviews von Dr. Hwang und Kollegen der Universität Kalifornien.

Dr. Hwang C. et al. fokussieren in ihrer Veröffentlichung auf die Entstehung häufig dokumentierter Komplikationen bei entzündlichen Darmerkrankungen, welche mit Defiziten im Mikronährstoffhaushalt einhergehen. So werden u.a. die Themen Anämie, Störungen im Knochenstoffwechsel und schlechte Wundheilung aufgegriffen.

Anämie

Anämie sei die häufigste nicht-intestinale Komplikation bei Personen mit entzündlichen Darmerkrankungen, so die Autoren. Systematische Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur lasse vermuten, dass etwa ein Viertel der Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen von einer Anämie betroffen ist. Die Ursache für diese Armut an Hämoglobin können Eisen-, Vitamin-B12- und Folsäure-Defizite sein, wobei sich das Spurenelement Eisen in diesem Zusammenhang als hauptverantwortlich zeige. Die Gründe für den Eisen-Mangel reichen von unzureichender Zufuhr, intestinalem Blutverlust bis hin zu verminderter Resorption und Verwertung.

Knochenstoffwechsel

Bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen finden sich gemäß vorliegendem Review häufig auch Störungen im Knochenstoffwechsel. Diese können sich klinisch als Osteopenie oder Osteoporose äußern. Mögliche Ursachen seien zum einen die erhöhte Aktivität proinflammatorischer Zytokine sowie die medizinische Medikation (z.B. Glucocorticoide). Vor allem letztere bedingt oftmals einen Mangel an Vitamin D, Calcium und Magnesium.

Diskussion

Die Autoren resümieren, dass es derzeit noch keine allgemeinen Richtlinien für die Beurteilung von Mikronährstoffdefiziten bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen gäbe. Bei Auftreten klinischer Mangelsymptome gilt es den Mikronährstoff-Status zu bestimmen und auszugleichen. Bei Anämien sollte der Eisen-, Vitamin-B12- und Folsäure-Status, bei Personen mit Osteoporose der Vitamin-D-, Calcium- und Magnesium-Status überprüft werden. Die Wissenschaftler empfehlen darüber hinaus die jährliche Überwachung der relevanten Mikronährstoffparameter auch bei Personen ohne vorliegende klinische Symptomatik.

Quelle: Hwang C., Ross V., et. al; Micronutrient Deficiencies in Inflammatory Bowel Disease: From A to Zinc; Inflamm Bowel Dis 2012;18 (10):1961–1981

© Header- und Vorschaubild: Alexandra Seinet