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Uwe Gröber im Gespräch

Martina Enthammer

Als Leiter und Gründer der Akademie für Mikronährstoffmedizin sowie Autor zahlreicher Bücher und Publikationen gilt Uwe Gröber als der Mikronährstoffexperte im deutschsprachigen Raum. Im Zuge eines seiner Mikronährstoffseminare ergab sich für Martina Enthammer – PKA und Bloggerin – die Gelegenheit, den Experten zu einem Interview zu bitten und ihn näher kennenzulernen.

Sie haben sich in Ihren Arbeiten intensiv mit Vitamin D beschäftigt. Ist Vitamin D eine Modeerscheinung oder hat der Hype um diesen Nährstoff seine Berechtigung?

Vitamin D ist zu Recht in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Circa 80 % der Menschen hierzulande hat einen Vitamin-D-Mangel, oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Im Sommer kann man seine Speicher gut durch die Sonnenbestrahlung auffüllen. Diese Depots reichen jedoch nicht, dass man bis ins nächste Jahr hinein gut versorgt bleibt. Daher sollte im Winter auf eine ausreichende Vitamin-D-Supplementierung geachtet werden. Seinen Vitamin-D-Status kann man problemlos über den Hausarzt testen lassen.

Vitamin-D-Gaben wöchentlich oder täglich, was ist besser?

Aktuelle Studien zeigen, dass Vitamin D3 oder Vitamin D2 täglich eingenommen werden sollten.1 Man kann nach Angaben des renommierten Vitamin D-Forschers Prof. Dr. med. Bruce Hollis die Muttersubstanz Vitamin D (Colecalciferol) nicht speichern, da sie eine Halbwertszeit von 12 bis 24 Stunden hat. Die Speicherform 25(OH)D hat dagegen eine Halbwertszeit von 2 bis 3 Wochen und die hormonaktive Form 1,25 (OH)2D von 2 bis 3 Stunden. Das sind die Angaben aus der aktuellen Vitamin D-Forschungsgruppe um Prof. Dr. Michael F. Holick.

Ab wann sollte ein gesunder Erwachsener grundsätzlich über eine zusätzliche Supplementierung von Mikronährstoffen nachdenken?

Im Alter von 30 bis 40 Jahren ergibt es Sinn, seinen Nährstoffstatus abzuklären und eventuelle Defizite mit geeigneten Präparaten zu beheben – um fit und gesund zu bleiben. Es gibt eine Ernährungspyramide der Universität Harvard, in der eine tägliche Gabe von einem Multivitaminpräparat und einer Dosis Vitamin D für den Großteil der Erwachsenen empfohlen wird.

Ihre persönliche Nährstoffempfehlung, um präventiv gesund zu altern:

Meine Empfehlung wäre eine Kombination aus:

  • Vitamin D
  • Selen
  • Coenzym Q10
  • Omega-3-Fettsäuren

Natürlich gehören eine ausgewogene Ernährung und Sport ebenso zur Gesunderhaltung des Organismus. Zum Thema Nahrungsergänzungsmittel erscheint im April 2019 ein neues Buch von mir beim Südwest Verlag in München: Die 10 wichtigsten Nahrungsergänzungsmittel.

Nehmen Sie persönlich Mikronährstoffe zu sich?

Ja, ich nehme täglich eine ausgewogene Mischung an Mikronährstoffen zu mir und achte darauf, dass meine Familie und der Familienhund optimal versorgt sind. Die Familie ist fit und gesund. Der Hund ist aktiver, hat ein schönes Fell und haart weniger – dank einer optimalen Versorgung mit Mikronährstoffen, vor allem mit EPA/DHA liquid.

Woher rührt Ihr großes Interesse an Mikronährstoffen?

Das Interesse an Mikronährstoffen wurde im 7. Semester an der Universität Frankfurt durch Prof. Dr. med. Ernst Mutschler geweckt. Seine Vorträge über die Wirkungsweise von Substanzen erzeugten so großes Interesse in mir, dass ich begann, mich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. 1999 erschien dann mein erstes Fachbuch über orthomolekulare Medizin bei der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft in Stuttgart.

Wie sind Sie zur Pharmazie gekommen bzw. wollten Sie schon immer Pharmazeut werden?

Ich habe ursprünglich eine Ausbildung im Kunstantiquariat gemacht, mit dem Schwerpunkt Expressionismus. Zum Teil war ich dabei in den USA in Boston an der Harvard Universität tätig. Die Liebe zur Pharmazie habe ich über Umwege durch meine damalige Frau, die Apothekerin war, entdeckt – da war ich bereits 27 Jahre alt. Dadurch entschloss ich mich, Pharmazie zu studieren und wie sich zeigte, war das der richtige Weg für mich. Wobei, Tiermedizin hätte auch einen gewissen Reiz für mich gehabt.

Sport spielt in Ihrem Leben eine große Rolle, erzählen Sie uns bitte mehr davon.

Schwimmen gehört zu meiner großen Leidenschaft. In jüngeren Jahren betrieb ich diesen Sport auf Profiebene und wurde auch deutscher Vizemeister in 50 Meter Freistil. Durch die aktuelle Betreuung von Profifußball-Mannschaften aus der 1. Bundesliga in Verbindung mit der Medizinischen Klinik I in Herne zeigte sich immer wieder, dass man mit labordiagnostisch gestützter Supplementierung von Mikronährstoffen die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen bzw. optimieren kann.

Apropos Sport, dazu gibt es ein aktuelles Buchprojekt von Ihnen, richtig?

Ja, es wird im Sommer ein neues Sportbuch erscheinen – „Metabolic Tunning statt Doping“. Für Sportler sicher eine sehr aufschlussreiche Lektüre.

Wie viele Bücher haben Sie schon geschrieben und an wie vielen haben Sie mitgewirkt?

Es sind mittlerweile so viele, dass ich zu zählen aufgehört habe. Grob geschätzt sind es an die 70 Werke. Publikationen und andere Veröffentlichungen sind hier gar nicht mitgerechnet.

Gibt es ein berufliches Highlight in Ihrer bisherigen Laufbahn?

Mein Beruf hat mir schon viele unvergessliche Momente beschert, aber besonders beeindruckt hat mich die Bekanntschaft mit Prof. Dr. Michael F. Holick. Ein US-amerikanischer Arzt und Biochemiker mit dem Schwerpunkt Vitamin D. Er gilt als der Entdecker von Vitamin D. Dass ich ihn in Boston kennenlernen durfte, hat meine Laufbahn als Mikronährstoffexperte sehr beeinflusst.

Beruflich sind Sie viel auf Reisen, wohin führt Sie Ihre Tätigkeit?

In Deutschland und Österreich bin ich ganzjährig unterwegs. 2019 werde ich im Zuge meiner Tätigkeit als Nährstoffexperte auch nach Thailand, Fuerteventura und Kos reisen. Weiters steht noch eine Kreuzfahrt nach Oslo an. Das hört sich jetzt nach Urlaub und Erholung an. Jedoch sehe ich von diesen schönen Destinationen meist nicht mehr als die Schulungsräume und mein Hotelzimmer. Bisher ist es mir noch nicht gelungen, meine Reisetätigkeiten etwas einzuschränken – obwohl ich sehr dankbar bin, dass mein Beruf mir so etwas überhaupt erst ermöglicht und ich auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes lehren darf.

Können Sie in Ihrer Freizeit auch abschalten und sich nur dem Privatleben widmen?

Natürlich. Ich finde meinen persönlichen Ausgleich mit meiner Familie und meinem Hund. Als Privatperson kann ich mich problemlos den alltäglichen Themen widmen und den Beruf ausblenden, um wieder Energie zu tanken.

Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch, Herr Gröber!


Quellen:
1. Bergman P.; et al.; Vitamin D and Respiratory Tract Infections: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials; PLoS One 2013; 8(6): e65835