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Eisenmangel - weit verbreitet

Dr. Birgit Schiel

Ein Eisendefizit ist neben Vitamin-A- und Jodmangel die weltweit häufigste Unterversorgung, die auch in den Industrieländern eine signifikante Prävalenz aufweist.

In Mitteleuropa ist jede vierte bis fünfte Frau im gebärfähigen Alter von einem Eisenmangel betroffen. Grundsätzlich liegt ein latenter Eisenmangel dann vor, wenn die Hämoglobinkonzentration bei Frauen unter 12 g/dl (~ 7,5 mmol/l) und bei Männern unter 14 g/dl (~ 8,7 mmol/l) absinkt. Die Mangelerscheinungen können von Müdigkeit und Blässe bis zur hypochromen, mikrozytären Anämie reichen.

Wie entsteht ein Eisenmangel?

Im Allgemeinen ist dafür ein erhöhter Eisenbedarf, ein vermehrter Eisenverlust oder eine verminderte Eisenaufnahme verantwortlich.

Erhöhter Eisenbedarf

Der Bedarf am Spurenelement Eisen ist vor allem in der Schwangerschaft und Stillzeit erhöht. Die Entwicklung der Plazenta und des Fötus, aber auch die Expansion des mütterlichen Blutvolumens sowie die Bildung des Nabenschnurblutes sind Faktoren, die ein Mehr an Eisen notwendig machen. Auch die Blutverluste während des Geburtsvorganges gilt es zu berücksichtigen. In Zahlen bedeutet dies ein Plus von 15 mg Eisen pro Tag während der Schwangerschaft, wodurch sich der Eisenbedarf auf 30 mg/Tag erhöht.

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Während der Stillzeit empfehlen die D-A-CH-Gesellschaften ein Mehr von 5 mg Eisen täglich (insgesamt 20 mg/d). Dies gilt auch für nicht stillende Mütter, um den Eisenhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Außer in der Schwangerschaft und Stillzeit tritt ein erhöhter Eisenbedarf auch im Wachstum und im Leistungssport auf. Der Eisenumsatz bei Sportlern ist aufgrund des kontinuierlichen Abbaus überalterter roter Blutkörperchen generell höher, sodass die Blutneubildungsrate permanent in hohem Maße gefordert ist. Die Neogenese von Erythrozyten wird beim Laufen oder Sport auf hartem Untergrund zusätzlich gefordert, da es dabei zu einer mechanischen Zerstörung der Erythrozyten in den Gefäßen der Fußsohle kommt („Marschhämolyse“).

Neben den bereits erwähnten Mangelerscheinungen sind beim Sportler überdies Muskelkrämpfe, vasomotorische Störungen, eine Reduktion der aeroben Kapazität, eine verringerte Ausdauer sowie verstärkte oder vorzeitige Laktatazidosen zu beobachten. Sowohl beim Ausdauersportler als auch beim (Schnell-)Kraftsportler ergibt sich somit ein täglicher Bedarf von bis zu 40 mg Eisen.

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Vermehrte Eisenverluste

Größere Eisendefizite werden in erster Linie durch erhöhte Blutverluste hervorgerufen. Starke Menstruationsblutungen, häufiges Blutspenden sowie Operationen mit hohem Blutverlust zählen dementsprechend zu möglichen Ursachen.

Verminderte Eisenaufnahme

Last, but not least kann eine verminderte Aufnahme des Spurenelements zu einem Mangel führen. Diese kann ganz einfach durch eine inadäquate nutritive Zufuhr, z. B. bei Vegetariern, bedingt sein, aber auch durch Resorptionsstörungen, z. B. im Rahmen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Zöliakie oder atrophischer Gastritis, ausgelöst werden.

Wichtig: Eine Eisengabe in höherer Dosierung sollte ausschließlich nach Bestimmung der Blutparameter (Eisen, Hämoglobin, Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung) über ärztliche Verschreibung erfolgen.

* Erstveröffentlicht im "PRO Q1/2016 - Magazin für medizinische Fachkreise". www.promedico.at

Quelle: Elmadfa I.; Ernährungslehre. 2. Auflage. Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co
DACH-Referenzwert; Institut für Ernährungswissenschaften Universität Wien, im Auftrag des BM für Gesundheit
Österreichischer Ernährungsbericht 2012, Max Rubner-Institut Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel
Nationale Verzehrsstudie ll. 2008
Felix Huber, Uwe Beise; Guideline Eisenmangel (Erwachsene). MediX Schweiz 2012
Leben. Energie. Eisen. Informationsbroschüre für PatientInnen: Ernährung und Eisenmangel 2011. www.eisencheck.at
http://www.who.int/nutrition/topics
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
www.oege.at
Christoph Raschka, Stephanie Ruf; Sport und Ernährung. Wissenschaftlich basierte Empfehlungen und Ernährungspläne für die Praxis. 1. Auflage. Georg Thieme Verlag KG 2012;
Leben. Energie. Eisen. Patientenbroschüre. Gesundheitselement Eisen. Eisenmangel – weit verbreitet und vielfach unterschätzt. 2013


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