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DHA & EPA für Mutter und Kind

Dr. Birgit Schiel

Die mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) ist für die Funktionalität und Entwicklung des neuronalen Systems unabdingbar.

DHA in der Schwangerschaft

DHA ist die vorherrschende Fettsäure in den Membran-Phospholipiden der grauen Hirnsubstanz sowie der Retina. Über 30 % der Gesamtfettsäuren in der Netzhaut und über 60 % der Gesamtfettsäuren in den Netzhaut-Stäbchen sowie etwa 25 % der Gesamtfettsäuren der Großhirnrinde nimmt DHA ein. Entscheidend für das Wachstum und die Entwicklung des kindlichen Zentralnervensystems sind vor allem das letzte Schwangerschaftsdrittel sowie die ersten Monate nach der Geburt. Dementsprechend beginnt in dieser Phase auch die Einlagerung von DHA in die Phospholipide des Gehirns, welche sich während der ersten zwei Lebensjahre fortsetzt. Die fötale DHA-Einlagerung beträgt im letzten Trimester der Schwangerschaft etwa 30–45 mg/d, davon etwa 3–5 mg/d im Hirn. Während der Schwangerschaft erhält der Fötus DHA über einen plazentaren Transport, der durch spezifische Transportproteine vermittelt wird. Eine höhere DHA-Aufnahme der Mutter führt deshalb auch zu einer besseren fötalen Versorgung mit DHA.

Omega-3-Fettsäuren und ADHS

Omega-3-Defizite bei Kindern und Erwachsenen können neurologische Störungen begünstigen. So wird das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), die häufigste neurokognitive Erkrankung bei Kindern, in der wissenschaftlichen Literatur mit zu geringen Spiegeln der Polyenfettsäuren in Verbindung gebracht. Der zugrunde liegende ADHS-Pathomechanismus konnte noch nicht vollständig aufgeklärt werden. Forschungsarbeiten der letzten Jahre verzeichneten bei betroffenen Kindern mehrfach Modulationen im PUFA-Stoffwechsel, die über Veränderungen im Phospholipid-Haushalt mit Störungen der neuronalen Entwicklung assoziiert waren. Auch einige klinische Studien deuten auf einen Zusammenhang des Omega-3-Fettsäurespiegels in den Plasma-Phospholipiden und Verhaltensproblemen bzw. Lernschwierigkeiten hin.

Fazit

Basierend auf den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird insbesondere die Bedeutung der Omega-3-Fettsäure DHA für die neuronale Entwicklung und kognitive Funktionalität deutlich. Nicht nur beim Erwachsenen, sondern insbesondere auch im Kindesalter sollte deshalb auf eine ausreichende DHA-Zufuhr geachtet werden, um neurokognitive Prozesse unterstützen sowie erhalten zu können.

DHA trägt zur normalen Entwicklung des Gehirns und der Augen beim Fötus und Säugling sowie zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion und Sehkraft beim Erwachsenen bei. Die ausreichende Versorgung mit DHA ist also von Anbeginn, über die Kindheit bis hin zum Erwachsenenalter wichtig, um neurokognitive Fähigkeiten zu bewahren.

* Erstveröffentlicht im "PRO Q4/2015 - Magazin für medizinische Fachkreise". www.promedico.at

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